Kletterzentrum

Es gilt, die Domestizierung der Bergwelt, also die Transformation des Berges zu einem Element des urbanen Raums, zum Thema zu machen. Foto: Wallmüller © Wallmüller
Es gilt, die Domestizierung der Bergwelt, also die Transformation des Berges zu einem Element des urbanen Raums, zum Thema zu machen. Foto: Wallmüller © Wallmüller

Ein Stück Natur

12.08.2014

Mit der Errichtung von Kletterhallen, so scheint es, kommt heute der Berg zum Menschen, wenn der Mensch nicht schon zum Berg kommt

Es mag auf der ersten Blick verwundern, dass die Stadt Innsbruck, am Fuße der beeindruckenden Berge der Nordkette gelegen, eine Kletterhalle errichten will, zumal das größte vorstellbare Kletterparadies doch direkt vor der Haustüre liegt. Die zunehmende Popularität des Kletterns an künstlichen Felsen ist jedoch nur ein weiterer Schritt in der Entwicklung der Domestizierung von Landschaft, die im 19. Jahrhundert mit der Erschließung der Bergwelt für den Massentourismus begann und bis heute andauert. Während einst aufwändige Transportvehikel in die Bergwelt - Stichwort Nordkettenbahn - errichtet wurden, kommt heute mit der Errichtung von Kletterhallen, so scheint es, der Berg zum Menschen, wenn der Mensch nicht schon zum Berg kommt.
     Will man also der neuen Kletterhalle für das WUB Kletterzentrum Innsbruck ein dahingehend treffendes Image verleihen, gilt es, die Domestizierung der Bergwelt, also das Hereinholen des Berges in die Stadt und seine Transformation zu einem Element des urbanen Raums, zum Thema zu machen.
     Die neue Kletterhalle am Grundstück des ehemaligen WUB-Areals bietet für eine derartige Inszenierung des Sportkletterns ideale Voraussetzungen, zumal die Halle aus unterschiedlichen Blickwinkeln erlebbar ist: von der südöstlich des Grundstücks gelegenen Promenade entlang des Sill-Flusses ebenso wie von der über das nordwestlich gelegene Viadukt führenden internationalen Bahnstrecke; nicht zuletzt aber auch von dem im Südwesten des Grundstücks gelegenen, neu zu errichtenden Verbindungsweg zwischen Ing.-Etzel-Straße und Sill-Promenade.
     Die Orientierung der Kletterhalle sollte idealerweise also alle drei Schauseiten berücksichtigen; ebenso ist des zweckmäßig, die Kletterhalle, ihre umzäunten Freibereiche und auch den Parkplatz in Verlängerung der Bestandshallen flächensparend im Nordwest des Grundstücks zu konzentrieren, damit möglichst große zusammenhängende Freiflächen richtung Sill (öffentlicher Parkanlage) bzw. Freihaltebereiche für zukünftige Nutzungen ("temporäres Wohnen") erhalten bleiben.
     Im Sinne eines schlüssigen Ensembles knüpft der Entwurf des neuen WUB Kletterzentrums an die Typologie der Bestandshallen an und führt diese mit dem Neubau der Halle für Seilklettern in Form eines gestaffelten, richtung Sill hin abfallenden Zubaus fort, wobei sich die Staffelung an der erforderlichen Höhe der Seilkletterwände (14 bzw. 17m) orientiert.
     Sämtliche Outdoor-Kletterbereiche (Seilklettern und Bouldern) werden im Südwesten direkt an den Neubau angeschlossen, dessen Südwest-Fassade stark gekippt wird, um die Überhänge der Kletterwände sowie die erforderliche Überdachung des Outdoor-Bereichs (10 bis 12 Meter) zu gewährleisten.
     Alle Outdoor-Kletterbereiche können somit ohne zusätzliche Zutrittskontrolle direkt aus der Halle erreicht werden, ebenso sind bei Wettbewerben alle Kletterwände im Freien gleichzeitig einsehbar. Darüber hinaus wird die durch die Outdoor-Kletterwände stark gegliederte, überhängende Südwest-Fassade der Halle zum Aushängeschild des Kletterzentrums, das seine dramatische Wirkung nach allen Schauseiten - Sill-Promenade, Bahnstrecke, Verbindungweg Ing.-Etzel-Straße/ Sill-Promenade - voll entfaltet.
     Unmittelbar vor den Outdoor-Kletterwänden wird ein neuer urbaner Platz mit hochwertiger Oberfläche gestaltet, der im Alltagsbetrieb als Parkplatz dient, sowie zweckentfremdet - je nach Möglichkeit bzw. Erfordernis der Stellplatzanzahl - zur Aufstellung von Sitz- und Liegegelegenheiten ("Enzis") genutzt wird, um den Kletterbetrieb im Freien zu verfolgen. Im Wettkampfbetrieb wird der Platz zur Aufstellung von Tribünen verwendet.

Kurzinfo
Kletterzentrum (Kletterbereiche Indoor und Outdoor) inkl. Café, Seminarräumen, Gymnastikräumen, Büros

Größe
3.500m² NGF

Status
Offener, einstufiger EU-weiter Wettbewerb, 2014, 3. Preis

Ort
Innsbruck (AT)

Auslober
IIG - Innsbrucker Immobilien GmbH & Co KG

Architektur
Entwufsteam: Fabian Wallmüller, Christina Kimmerle

Statik
Elmar Heß/
heß engineers


Bauphysik
Ernst Kainmüller/
Bauklimatik


Modellbau
Gerhard Stocker/
Modellwerkstatt Gerhard Stocker




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